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Sozialfirmen und Arbeitsintegration in der Schweiz



Forschungsprojekt "Ermächtigung oder Entmutigung? Eine fallrekonstruktive Untersuchung von Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB)"

Laufzeit: April 2007 bis März 2009
Forschungsteam: Peter Schallberger und Bettina Wyer
Finanzierung: im Rahmen des DORE-Programms des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sowie durch zwei Praxispartner

Kurzbeschrieb


Bei Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB) handelt es sich um ein Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik, wie sie in der Schweiz seit Mitte der 1990er Jahre betrieben wird. Diese ist darauf ausgerichtet, Arbeitslose sowie BezügerInnen von Sozialhilfe oder IV-Teilrenten in ihren Bemühungen um eine Reintegration in den Arbeitsmarkt gezielt zu unterstützen und zugleich mittels Kontroll- und Sanktionierungsmassnahmen einem Missbrauch sozialstaatlicher Institutionen entgegenzuwirken. Der Intention nach dient die Zuweisung in ein Beschäftigungsprogramm der Erhöhung der Wiederbeschäftigungschancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Entsprechend sind die Programme nicht nur zeitlich befristet, sondern enthalten – qualitativ unterschiedlich ausgeprägt - auch qualifizierende Bestandteile.
Fragestellung: Das Forschungsprojekt untersucht, welche Wirkungen von Beschäftigungsprogrammen ausgehen. Bisherige, mittels ökonometrischer Verfahren durchgeführte Studien zeigen, dass die Wiederbeschäftigungseffekte der Programme – entgegen der zentralen Intention – eher gering sind. Hieraus lässt sich indes nicht unmittelbar der Schluss ziehen, Beschäftigungsprogramme seien gänzlich wirkungslos. Denn die von ihnen ausgehenden Wirkungen müssen mit Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt nicht zwangsläufig korrelieren. Das Forschungsprojekt zielt mittels qualitativer Forschungsverfahren auf die Benennung insbesondere diejenigen Momente der konkreten Ausgestaltung von Beschäftigungsprogrammen, die sich im Sinne eines Empowerments ermächtigend auf die Programmteilnehmenden auswirken. Umgekehrt sollen aber auch diejenigen Ausgestaltungsmomente erforscht werden, von denen allenfalls auch eine zusätzliche Entmutigung, eine sekundären Kränkung oder gar eine Stigmatisierung der Programmteilnehmenden ausgehen.
Forschungsdesign: Es werden in einer vergleichenden Perspektive mehrere Beschäftigungsprogramme einer detaillierten Fallanalyse unterzogen. Die Fallanalysen stützen sich auf Daten unterschiedlichen Typs: auf Beobachtungs- und Begehungsprotokolle, auf Dokumente der internen und externen Kommunikation sowie auf rund 50 nicht standardisierte, also offen geführte und vollständig transkribierte Forschungsinterviews. Je ungefähr zur Hälfte werden diese Interviews mit den Programmteilnehmenden resp. mit dem fest angestellten Personal der Beschäftigungsprogramme geführt. Bei der Auswertung der Interviews gelangen Verfahren der qualitativen Sozialforschung, insbesondere diejenigen des Grounded Theory-Ansatzes sowie der Objektiven Hermeneutik zum Einsatz.

Bisherige Publikationen aus dem Forschungsprojekt


  • Bettina Wyer (2014): Der standardisierte Arbeitslose. Langzeitarbeitslose Klienten in der aktivierenden Sozialpolitik, Konstanz: UVK. (Dissertationsschrift)
  • Peter Schallberger (2012): „Programmatischer Professionalitätsverzicht als Reaktion auf die Individualisierung von Risikolagen. Das Beispiel der aktivierenden Beschäftigungspolitik“, in: Mathias Lindenau/ Marcel Meier Kressig (Hg.): Zwischen Sicherheitserwartung und Risikoerfahrung. Vom Umgang mit einem gesellschaftlichen Paradoxon in der Sozialen Arbeit, Bielefeld: Transcript Verlag, 291-323.
  • Bettina Wyer (2011): „Die normative Kraft der Aktivierungspolitik. Zur Situation von Klienten und Klientinnen in Beschäftigungsprogrammen“, in: Sozial Extra. Zeitschrift für Soziale Arbeit, 35, Heft 7/8, 29-32.
  • Peter Schallberger (2011): „Schweizer Sozialfirmen. Ein Modell auch für Deutschland?“, in: Sozial Extra. Zeitschrift für Soziale Arbeit, 35, Heft 7/8, 21-24.
  • Peter Schallberger/Bettina Wyer (2010): Praxis der Aktivierung. Eine Untersuchung von Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung, Konstanz: UVK.
  • Bettina Wyer (2009): „Das Angebot muss auf die Zielgruppe zugeschnitten sein“, in: Panorama, 6/2009, S. 15-16.

Ergebnisberichte


  • Peter Schallberger/Bettina Wyer: Ermächtigung oder Entmutigung? Eine fallrekonstruktive Untersuchung von Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB), Schlussbericht zuhanden des Praxispartners, 112 S. Rorschach, Juli 2009.
  • Peter Schallberger: Ermächtigung oder Entmutigung? Eine fallrekonstruktive Untersuchung von Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB), DORE-Schlussbericht zuhanden des Schweizerischen Nationalfonds, Rorschach, Mai 2009.


Referate (bis 2011)


  • „Hilfe“ und „Strafe“ im Praxisfeld Arbeitsintegration - Vortrag von Bettina Wyer im Rahmen der Ringvorlesung „Hilfe! Strafe! Multiperspektivische Reflexionen eines brisanten Spannungsverhältnisses“ an der Universität Zürich (Lehrstuhl für Ausserschulische Bildung und Erziehung) im Dezember 2011.
  • Befunde der Studie ‚Praxis der Aktivierung‘ - Referat von Bettina Wyer im Rahmen der Fachtagung „Arbeitsmarktintegration. Aktuelle Anforderungen und kommende Herausforderungen“ des Vereins Arbeit und Bildung Basel im September 2011.
  • Chance oder Zwang? Leitideen des Handelns in Arbeitsintegrationsprogrammen - Vortrag von Peter Schallberger im Selbsthilfeprojekt Internetcafé Planet 13 in Basel, am 31. Januar 2011.
  • Spielräume der Ausgestaltung sozialpädagogischen Handelns in Beschäftigungsprogrammen - Referat von Bettina Wyer und Peter Schallberger im Workshop "Ethnographie des Sozialstaats" an der FH Nordwestschweiz in Olten am 21. November 2008.
  • "Ermächtigung oder Entmutigung - Was geschieht in Beschäftigungsprogrammen?" - Referat von Peter Schallberger im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Welfare zu Workfare" im Kulturlokal "Palace" St. Gallen am 11. März 2008
  • "Umsetzungsformen, Effekte und Paradoxien einer 'aktivierenden' Sozialarbeit. Das Beispiel von Schweizer Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung" - Referat von Peter Schallberger am internationalen Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziale Arbeit am 9. März 2008 an der Hochschule für Soziale Arbeit in Luzern.

Praxistransfer-Leistungen (bis 2011)


Präsentation und Diskussion der Forschungsbefunde bei den folgenden Amtsstellen und Anbietern von Beschäftigungsprogrammen:

  • QUS (Qualifizierung für Stellensuchende) Stadt Zürich (Bettina Wyer, August 2011)
  • Öko Job - Arbeitsintegration Baselland (Peter Schallberger, Juni 2011)
  • AWA des Kantons Thurgau (Peter Schallberger, Juni 2010)
  • beco - Berner Wirtschaft, Bereich Arbeitsintegration (Bettina Wyer, März 2010)
  • Bereich Arbeitsintegration der Stadt Zürich; Kaderweiterbildung (Bettina Wyer, November 2010)
  • Stiftung gad, Biel (Bettina Wyer, Dezember 2009)
  • Stiftung Arbeitsgestaltung, Kanton Zürich (Bettina Wyer, September 2009)
  • Weiterbildungskurse für RAV-Beratende im Auftrag des AfA St.Gallen (Peter Schallberger/ Alfred Schwendener > Fallwerkstätten)

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